Männlicher Nachwuchs in der Hühnerschar ist nicht nur in der Eierindustrie ein Problem. Jeder private Hühnerhalter, der seine Hennen brüten lässt, steht einige Wochen später vor der Entscheidung, was mit den jungen Hähnen geschehen soll.
Fest steht für die allermeisten Jungs: Sie können nicht dauerhaft in der Gruppe verbleiben, in der sie aufgewachsen sind, denn wenn sie zu krähen beginnen, ist der damit ansteigende Geräuschpegel in ländlichem Gebiet noch das kleinere Problem. Schwieriger ist es, die eigenen Hennen vor den ruppigen Annäherungsversuchen der pubertierenden Jungs zu schützen. Über kurz oder lang wird man sie von der Herde trennen müssen, weil sonst viel Stress in der Gruppe entsteht und es oftmals auch zu blutigen Kämpfen mit dem Althahn kommt.
Die Vermittlung in eine neue Hühnergruppe ist in den meisten Fällen nahezu aussichtslos, denn das Angebot an Hähnen ist vielfach höher, als die Nachfrage.
Man kann die Gockel schlachten oder schlachten lassen. Eine Entscheidung, die jeder für sich treffen muss. Wenn sie beginnen zu krähen, sind sie meist noch lange nicht ausgewachsen oder schlachtreif.
Mein Ansinnen war es, jungen Hähnen, die nicht länger in ihrer Gruppe verbleiben können, über einige Monte ein schönes Leben in der Natur mit viel Auslauf zu bieten, damit sie zukräftigen Gockeln heranwachsen können.
Gleichzeitig möchte ich umliegenden Hühnerhaltern die Gelegenheit bieten, Kükennachwuchs zu ziehen und die daraus entstehenden Hähnchen in eine artgerechte Haltung abzugeben.
Eine Kosten-Nutzenrechnung aufzustellen, wäre derzeit nicht sinnvoll. Bei der Dauer der Aufzucht inklusive einer reichhaltigen Fütterung mit hochwertigen Futtermitteln käme die Fleischmahlzeit einem absoluten Luxus gleich.
Damit die Hähne möglichst ohne größere Prügeleien untereinander klarkommen, ist es sinnvoll, alle Tiere an einem bestimmten Tag gleichzeitig auf der Gockelwiese einzuquartieren. Gewöhnlich ist das ein Tag im Juni oder Juli. Später zugesetzte Tiere müssen mindestens zu zweit sein und deutlich jünger, bzw. körperlich unterlegener sein, als die stärksten Hähner der bestehenden Gruppe.
Hähne die sich als agressiv gegenüber Menschen oder Artgenossen outen, werden frühzeitig der Herde entnommen, damit die anderen nach Möglichkeit harmonisch miteinander leben können. Ebenso, verhält es sich, wenn einzelne sozial oder körperlich schwache Tiere Opfer von Mobbing in der Gruppe werden oder falls ein Hahn schwer verletzt ist. Diese müssen auch entnommen werden, um unnötige Qualen zu verhindern.
Es gibt zwei Möglichkeiten. Sie können Ihre Junghähne auf der Gockelwiese kostenlos abgeben. Sie gehen in unseren Besitz über, werden von uns versorgt und Sie haben später keinen Anspruch auf den Schlachtkörper. Die andere Möglichkeit ist: Sie beteiligen sich an den Kosten, der Futterbeschaffung, der täglichen Versorgung und helfen bei der Schlachtung. Dann erhalten Sie einen Teil der bratfertigen Hähne.
An einem Tag X werden alle Hähne geschlachtet. Der Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben. Die Tötung erfolgt vor Ort und die weitere Schlachtung bei einem der Teilnehmer. Geschlachtete Hähne bzw. die Schlachtkörper gehören den Teilnehmern und werden je nachdem wieviel diese an Zeit und Geld beigetragen haben, aufgeteilt, dabei ist es egal, ob am Ende noch eigene Hähne mitlaufen, oder nicht.
Ich als Betreiber der Gockelwiese hafte nicht für Verluste . Die Hähne leben in einer Umgebung, wo natürliche Feinde Zugang haben und sind Angriffen durch Fuchs oder Habicht ausgesetzt. Die Eigentümer der Hähne haben keine Ersatzansprüche und gehen bewusst das Risiko ein, dass Verluste erlitten werden können.
Alle Teilnehmer sind bemüht, Hähne aus dem Bestand in gute Hände zu vermitteln. Alle Hähne auf der Gockelwiese stehen zum Verkauf zur Verfügung. Der Erlös vermittelter Hähne geht an denjenigen, der den Käufer gefunden hat. Vermittlung der Hähne nur in eine andere Hühnerhaltung mit Freilaufmöglichkeit. Verkauf zum Zwecke der Schlachtung ist unerwünscht. Einzige Ausnahme: kostenlose Abgabe der Hähne an die Wildtierauffangstation in Sparrieshoop.